<<  >>  TOC

4.2.4 Soundtrack

 

        Ebenso wie die Kamera erhält auch die Musik im Italo-Western mehr Gewicht als sie im traditionellen Western hat. In letzterem hat die Musik vor allem wahrnehmungserleichternden Charakter: einerseits schafft ein Musikteppich Kontinuität über Schnitte hinweg, andererseits zeigt neu einsetzende Musik den Beginn einer neuen Filmsequenz an.

 

Ennio Morricone war es vorbehalten, [den] Trend der Filmmusik [zum Schlager] auszutragen. Seine Titel zu [Spiel mir das Lied vom Tod]...sind ebensosehr autonome, d.h. bildunabhängig zu rezipierende Songs und Genrestücke wie andererseits musikalische Kristallisationsphasen des Films...Morricones Melodien [erhalten] ein Stimmrecht, wie es funktionaler Musik im Kino nur selten gewährt wird; der strukturelle Vergleich mit genuin musikalischen Genres [wie der Oper] ist darum nicht abwegig.  (Motte-Haber 158-159)

 

Wenn man davon ausgeht, daß für die Musik das gleiche gilt wie für die Montage, daß nämlich Unauffälligkeit das oberste Gebot ist, so ist Morricone ebenso als Revolutionär in Bezug auf die Filmmusik anzusehen wie Leone in Bezug auf die Erzähltechnik. Morricones Leitmotive spielen sich stark in den Vordergrund und unterstützen die Bilder nicht lediglich, sondern "treten so gebieterisch auf, daß man nicht weiß, ob die Musik die Personen verfolgt oder umgekehrt" (Fornari 143). In Halunken verrät die Musik schon, daß Sentenza der Bösewicht ist, noch bevor er etwas sagen oder tun konnte. Die Musik ist somit ein wichtiges Charakterisierungsmittel, was in Once upon besonders auffällig ist: jede der vier Hauptfiguren wird von einer Erkennungsmelodie angekündigt und begleitet, die einen bestimmten Charakterzug besonders unterstreicht bzw. erst schafft. Die Melodie Jill McBains macht sie zu einer tragischen Figur (die sie vielleicht gar nicht ist), Mundharmonika wird zum Todesboten stilisiert (er hilft Jill jedoch ein neues Leben zu beginnen), Cheyenne zum netten Menschen (er ist der Chef einer Verbrecherbande) und Frank erscheint besonders kraftvoll (das Duell am Ende zeigt ihn anders).

        Die ausgefallene Instrumentierung trägt das Ihre dazu bei, die Musik nicht im Bildgeschehen untergehen zu lassen: Morricone nimmt Ambosse, Glocken, Peitschenhiebe, Schüsse, Tierlaute, menschliche Stimmen und verarbeitet sie in Songs mit vorwiegend spanisch-mexikanischem Flair.

        Sein Stil hat das Genre ebenso geprägt wie der Leones, so daß sämtliche Italo-Western mit morriconeartiger Musik unterlegt sind. Keoma bildet hier eine deutliche Ausnahme: statt der sonst üblichen spanischen Gitarre und Trompete ist der Film mit harter Rockmusik unterlegt. Daß Morricones Stil jedoch auch von den Produzenten als Maßstab für Italo-Western angesehen wurde, mag daran zu erkennen sein, daß Keinen Cent, ein durchaus traditioneller Western, durch nachträgliches Unterlegen mit Motiven aus Once upon auf 'Spaghetti' getrimmt wurde.

 

<<  >>  TOC