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4.2.3 Montage

 

        Die Italo-Western unterscheiden sich vom amerikanischen Western durch ihren deutlich hektischeren Schnittrhythmus. Dieser entsteht zum einen dadurch, daß "entnervend ruhige Sequenzen, die jede Einzelheit, jeden Schweißtropfen, jedes Zucken im Gesicht zeigen, mit rasanten Action-Szenen abwechseln" (Jeier 199). Zum anderen werden extreme Naheinstellungen im raschen Wechsel gegen Totalen geschnitten.

 

Eines der berühmtesten Beispiele für diesen Stil ist das "Triell" in Zwei glorreiche Halunken, das mit einer unendlichen Wiederholung von stets vergrößerten Fragmenten beschrieben wird (drei Gesichter, drei Gürtel, drei Blicke, drei Hände an der Pistole und schließlich Augen und Hände in immer rascherer Folge).  (Fornari 140)

 

Diese Erzählweise verletzt das eherne Gesetz des Hollywood-Kinos, welches verlangt, daß der Akt des Erzählens, d.h. die Montage unsichtbar bleibt. Ein direkter Schnitt von der Totalen in die Nahaufnahme oder umgekehrt wird zumeist vermieden und durch den Zwischenschnitt einer Halbtotalen abgemildert, was dem Zuschauer stets die Möglichkeit gibt, sich räumlich zu orientieren. Zugleich galt es als unfein, die Schauspieler direkt in die Kamera blicken zu lassen, da dies den Zuschauer in das Geschehen involviert, anstatt ihn in der Position des neutralen Beobachters ruhen zu lassen. "In Leones Filmen bleibt die Technik dagegen ganz und gar nicht unsichtbar. Es wiederholen sich Blicke in die Kamera, traumatische Verbindungen von Detailaufnahmen und Totalen" (Fornari 140). Die Konstruiertheit der Filme wird also bewußt offengelegt, der Blick des Zuschauers fühlbar gelenkt. Die Kamera ist im Italo-Western kein rein funktionales Werkzeug mehr, sondern gibt sich klar als gestaltendes Element zu erkennen (vergl. Bädekerl 601).

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