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4.2.2 Subjektive Kamera

 

        Die subjektive Kamera hat den gleichen Zweck wie die Detailaufnahmen: Leid und Tod effektvoller in Szene zu setzen. In Halunken findet eine Frau ihre von Sentenza hingemetzelte Familie und wird ohnmächtig. Die Kamera übernimmt dabei ihren Standpunkt, das Bild dreht sich, wird unscharf und schließlich schwarz. Ebenso wird der Tod Ramon Rojos in Handvoll dargestellt. Die Nahaufnahme seines Gesichtes, die erkennen läßt, wie ihm das Blut aus dem Mundwinkel rinnt, wechselt ab mit Einstellungen aus seiner Perspektive, die den Zuschauer miterleben lassen, wie Rojo langsam die Kontrolle über seinen Körper und sein Bewußtsein verliert. In Halunken übernimmt die Kamera Tucos Standpunkt, als er am Ende mit dem Kopf in einer Schlinge auf einem wackeligen Grabkreuz steht, und auch in Galgen ist es die Perspektive des gefolterten Helden, die die Kamera wählt.

        Obwohl auch an anderen Stellen die subjektive Kamera oft eingesetzt wird, um z.B. zu verdeutlichen, was eine Figur gerade sieht, ist ihr Einsatz in Szenen wie den oben angegebenen besonders eindrucksvoll. Der Zuschauer wird gezwungen, die Sicht des jeweiligen Opfers einzunehmen, was schließlich insofern besonders quälend wirkt, als er als reiner Voyeur natürlich nicht eingreifen kann. Dies wird in Für ein paar Dollar mehr mit der Erinnerungssequenz Mortimers an die Vergewaltigung und den Mord seiner Schwester durch Indio (der Bösewicht) explizit thematisiert: hier ist es eine Figur im Film, die voyeuristisch eine Gewalttat miterlebt, ohne sie verhindern zu können.

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