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4. Text: die erzählerische Vermittlung

 

        Die Italo-Western bilden nicht nur, was ihre Struktur und den Heldentypus angeht, ein relativ kohärentes Genre, sondern auch in Bezug auf die Filmsprache, die anders als zu dieser Zeit üblich nicht versucht, unauffällig zu bleiben, sondern von der zeitgenössischen Kritik als aufdringlicher Manierismus erlebt wurde.

 

4.1 Thematische Besonderheiten

 

4.1.1 Brutalität als Gütesiegel

 

        Auch wenn inzwischen amerikanische Western gedreht wurden, die jeden Italo-Western hinsichtlich der Explizität der Gewaltdarstellung übertreffen (z.B. Das Wiegenlied vom Totschlag), so bleibt die Gewalt bei letzteren doch unerklärt, manchmal sogar unmotiviert, mag aufgrund des Zynismus' der Filme also selbst im Zeitalter der 'Splatter'-Filme immer noch als relativ 'hart' erscheinen. Dem zeitgenössischen Publikum jedoch erschienen die Italo-Western als ungewöhnlich brutal, allen voran die Filme Sergio Corbuccis, wie Blumenberg in einer Kritik von Leichen registriert:

 

[Corbucci] nimmt die Drehbuchanweisungen wörtlich. Ist vermerkt, daß einem der Daumen weggeschossen wird, sieht man tatsächlich einen blutigen Stumpf durch die Luft wirbeln. Der selbst in diesem nicht eben zimperlichen Genre außergewöhnlich prononcierte Naturalismus der Inszenierung verwehrt dem Zuschauer jede mildtätige Ellipse.  (30)

 

Schon die Titel bzw. Untertitel der Filme (zumindest im deutschen Verleih) zeigen deutlich, worauf das Publikum sich einzustellen hat: Django 3 - Sein Gesangbuch war der Colt, Leichen pflastern seinen Weg (im Original heißt dieser Film allerdings harmlos Il grande silenzio), Il Nero - Haß war sein Gebet etc. Explizite Gewaltdarstellung gehört zu den 'Spielregeln' des Genres, deren Nichterfüllung offensichtlich ein Scheitern auf dem Markt zur Folge gehabt hätte.

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