<<  >>  TOC

3.4.2.2 Sein Aussehen

 

        Joe (der Held aus Handvoll) trägt neben den üblichen Accessoires des Westerners einen mexikanischen Poncho, was seine programmatische Außenseiterposition symbolisiert: durch seine Kleidung verweigert er die Festlegung auf die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe im Grenzgebiet. Django und Keoma aus den gleichnamigen Filmen tragen lange Haare, die sie als Außenseiter kenntlich machen. Obwohl Bädekerl behauptet, daß "das Aussehen des Helden kaum als Hommage an eine jugendliche Protestbewegung zu werten ist" (600), fällt doch auf, daß die drei oben genannten Helden für die sechziger Jahre hochmodisch ausgestattet sind. Ebenso ist es sicher das Verdienst der Italo-Western, den Dreitagebart als 'cool' salonfähig gemacht zu haben.

        Sowohl diese als auch die meisten anderen Helden fallen durch ihre zum Teil extreme Schmuddeligkeit auf. Wenn sie staubbedeckt und dreckverkrustet aus der Wüste auftauchen, ist dies noch als normale Begleiterscheinung eines langen Rittes gerechtfertigt. Jedoch selbst, wenn sie die Möglichkeit haben, sich zu waschen, nutzen sie sie kaum. Django steigt zwar in einem Hotel ab, sein Äußeres ändert sich aber den ganzen Film hindurch nicht. Joe steigt morgens gar komplett angezogen aus dem Bett. Auf des Wirtes Naserümpfen antwortet er nur: "Don't worry, this way I didn't dirty the sheets", was fürchterliche Ahnungen wachruft, was wohl unter seiner Kleidung verborgen sein mag. Halunken erklärt diese Scheu vor dem Bad: kaum sitzt Tuco in der Badewanne, wird er auch schon von einem Killer angegriffen. Daß die Figuren des Italo-Western als "inkarnierte Perversion jenes strahlenden, immer adrett gekleideten...amerikanischen Westerners" (Mengershausen 20) auftreten, ist also in einer Welt, in der überall Gefahren lauern, als Realismus zu deuten.

<<  >>  TOC