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2.2.3.2 Der Italo-Western: ein Funktionenmodell

 

        Die Interaktionen oben angeführter Aktanten lassen sich auf folgende Funktionen reduzieren:

 

        A: Der Held wird geschädigt.[1]

        B: Der Held verläßt sein Zuhause.

C: Der Held taucht im Einflußgebiet des Bösewichts auf.

D: Der Bösewicht unterdrückt das Opfer.

E: Der Held gewinnt Helfer.

F: Der Dritte gibt sich als Machtfaktor zu erkennen.

G: Die Protagonisten tasten sich ab.

H: Zwei der Protagonisten schließen sich gegen den dritten zusammen.

        I1: Ein Protagonist sucht/verfolgt einen anderen.

        I2: Helfer weisen ihm den Weg.

        I3: Der Protagonist überwindet Hindernisse.

        I4: Der Protagonist findet den Gesuchten.

J1: Ein Protagonist nimmt einen anderen gefangen.

J2: Der Gefangene wird gefoltert.

J3: Der Gefangene kann entkommen.

        J4: Der Gefangene genest mit Unterstützung von Helfern.

        K': Der Bösewicht besiegt den Dritten.

K": Der Held besiegt den Bösewicht.

        L: Der Held erlöst das Opfer.

        M: Der Held verläßt den Schauplatz.

 

Die angegebene Reihenfolge der Funktionen stellt nur eine Möglichkeit dar. Natürlich gebietet die Handlungslogik, daß die Gefangennahme vor der Flucht, die Folter vor der Genesung stattfindet, d.h. Funktion J1 kommt immer vor J3, J2 immer vor J4, etc. Funktionen wie D und G sind jedoch frei einsetzbar und wiederholen sich häufig. Ebenso können sich ganze Blöcke wiederholen: wenn z.B. der Dritte stirbt, kommt es vor, daß sich ein neuer Dritter in die Handlung einmischt, womit alles wieder von vorn beginnt (z.B. Dienstag).

Die Funktionen G-J sind in obiger Liste offen formuliert, d.h. sie sind nicht auf einen bestimmten Akteur festgelegt. Filme wie Halunken oder Halleluja zum Beispiel weisen mehrere Figuren auf, die in den entsprechenden Funktionen einmal als Subjekt, einmal als Objekt erscheinen können. Der Normalfall ist jedoch, daß der Held den ganzen Film hindurch als die Handlung vorantreibendes Subjekt fungiert, lediglich die Folterung muß er als Objekt ertragen.

 



[1]     Die linksbündig aufgeführten Funktionen sind Elemente aller Italo-Western, die eingerückten stellen optionale Versatzstücke dar.

 

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