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2.2.3.1 Die dramatis personae des Italo-Western

 

Die Handlung aller Italo-Western wird bestimmt durch

- die Protagonisten:

1. der Held

2. der Bösewicht

3. der Dritte

- die Nebenfiguren:

4. die Mittlerfiguren

5. die Helfer

6. die Opfer.

 

        Zu 1. der Held: Die Position 'Held' definiert sich durch den Antagonismus zum Bösewicht. Dieser Antagonismus hat jedoch typischerweise nichts mit der Unterdrückung des Opfers durch den Bösewicht zu tun, sondern entweder ist zwischen ihnen eine persönliche Rechnung zu begleichen (die Rachestories) oder ihre Interessen kreuzen sich eher zufällig (Halunken: beide suchen denselben Schatz).

        Zu 2. der Bösewicht: Der Bösewicht ist als solcher durch sein Verhältnis zu den Opferfiguren definiert. Keine andere Figur zeichnet sich durch vergleichbare Grausamkeit im Umgang mit den Opfern aus.

        Zu 3. der Dritte: Der Dritte steht sowohl mit dem Bösewicht als auch mit dem Helden in Konkurrenz. Dies erzeugt die charakteristische zentrale Dreieckskonstellation. Je feindlicher sich Dritter und Held gegenüberstehen, desto ausgeprägter das Dreiecksverhältnis, daher lassen sich verschiedene Abstufungen ausmachen:

 

a) Handvoll                    b) Halunken                    c) Django 2

 

 

Während sich in Handvoll alle drei Parteien feindlich gegenüberstehen (auch wenn alle drei möglichen Paktvarianten durchgespielt werden), so stehen sich Held und Dritter in Halunken etwas näher. Zwar artet ihr Verhältnis nur deswegen nicht zum tödlichen Kampf aus, weil stets einer den anderen mit vorgehaltener Pistole in Schach hält, sie arbeiten jedoch im Zweifelsfall gegen den Bösewicht zusammen und gegen Ende zeichnet sich sogar die Möglichkeit einer Freundschaft ab (die der Held allerdings sofort wieder zerstört). Django 2 ist ein Beispiel für ein unechtes Dreieck: Held und Dritter arbeiten beide gegen den Bösewicht, könnten sich also von Anfang an zusammenschließen. Da der Held sich jedoch nicht darauf einlassen will, für die Sache der Unterdrückten zu kämpfen, sondern lediglich seine private Rechnung begleichen möchte, ist die eigentlich bipolare Struktur verzerrt.

        Zu 4. die Mittlerfiguren: Der Bösewicht verfügt fast immer über eine Armee von Killern, die er stellvertretend für sich in den Kampf schickt. Diese Mittlerfiguren sind abhängige Figuren,[1] sie bilden buchstäblich den verlängerten Arm des Bösewichts. Die Zahl der Mittlerfiguren verdeutlicht dessen Macht. Mittlerfiguren treten häufig auch in Vertretung für den Dritten in Aktion.

        Zu 5. die Helfer: Die Helferfiguren sind als Sonderform der Mittlerfiguren anzusehen. Während letztere jedoch dem Kommando eines Protagonisten unterstehen, haben die Helfer eine relativ unabhängige Position inne. Sie betrachten das Geschehen weitgehend von außen, können aber jederzeit eingreifen. Meist arbeiten sie dem Helden zu, indem sie ihm Informationen liefern oder gar direkt im Kampf beistehen. Da sie jedoch unabhängig sind, muß der Held sich ihre Hilfe verdienen. Die Helfer sind also wichtig für die Sympathielenkung, denn indem sie zeigen, welche Figur ihnen am sympathischsten ist, laden sie die Zuschauer zur Identifikation mit dieser ein.

        Zu 6. die Opfer: Die Funktion der Opfer besteht einzig darin, vom Bösewicht unterdrückt und eventuell vom Helden erlöst zu werden. Ihr Vorhandensein dient hauptsächlich als Charakterisierungsmittel (vergl. 3.4.2.4).


        Somit ergibt sich folgende Grundkonstellation:

 

 

Modifikationen dieses Schemas ergeben sich einerseits durch mehr oder weniger ausgeprägte Feindschaft zweier Protagonisten, andererseits durch strukturelle Komplikationen wie Transformationen und Einbettungen (siehe 2.2.3.3).

 



[1]      Der Begriff 'Mittlerfigur' ist Umberto Ecos Analyse der James Bond -Romane entlehnt.

 

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