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2.2.2.1 Fraylings 'Italian Plot': methodische Unsauberkeit

 

Frayling argumentiert völlig richtig, daß das Problem der Einordnung des Italo-Westerns die Wrightsche Theorie nicht falsifiziert, sondern vielmehr einen Hinweis darauf gibt, in welche Richtung sie modifiziert werden muß. Um die Theorie zu retten, sei es lediglich notwendig, mit einem eigenständigen 'Italian Plot' dem Westernmythos eine weitere Variante hinzuzufügen. Dieser 'Italian Plot' sei wiederum in drei Subplots zu unterteilen:

1. Der 'Diener-Zweier-Herren'-Plot: der Held kommt in eine Stadt, die unter zwei rivalisierenden Parteien aufgeteilt ist. Er hetzt die Parteien aufeinander und spielt sie gegeneinander aus, bis er schließlich als einziger übrigbleibt und mit den Taschen voll Geld wieder verschwinden kann.

2. Der 'Übergangs'-Plot: eine Variation des ersten, mit dem Unterschied, daß die rivalisierenden Parteien die gegnerischen Kriegsparteien entweder der mexikanischen Revolution oder des amerikanischen Bürgerkriegs sind.

3. Der 'Zapata'-Plot: eine Variation des zweiten, mit zwei Helden, einem 'Gringo' und einem 'Mexikaner', die die Konflikte des Krieges sozusagen stellvertretend unter sich austragen.

Der Argumentation Fraylings ist sicherlich dort zuzustimmen, wo er die deskriptiven Ungenauigkeiten des Wrightschen narrativen Modells offenlegt. Allerdings können seine Lösungsvorschläge schon aus rein methodologischen Gründen nicht überzeugen. Plotstrukturen bei Propp, Eco oder Wright sollen die Qualität von Tiefenstrukturen besitzen. Als solche sollten sie natürlich frei sein von Elementen, die erst in der Oberflächenstruktur, d.h. der Balschen Story-Ebene, auftauchen sollten, wie z.B. genauere Angaben zum Setting, zur Charakterisierung. Fraylings Unterscheidungen sind jedoch zu unsauber, wie man schon an den ersten beiden Funktionen, die Frayling für seinen 'Diener-zweier-Herren'-Plot angibt, erkennen kann:

 

a   The 'hero' rides into a shanty-town, on the Southwest border.

b   The 'hero' is established as being from a different culture to that of the      'Latin' inhabitants. He is usually a bounty hunter.  (51)

 

Die unterstrichenen Elemente gehören nicht auf die Ebene der Fabula, sondern bezeichnen schon eine mögliche individuelle Ausprägung des Plots auf der Story-Ebene. Fraylings gesamte Liste ist auf solche Art von spezifischen Eigenschaften der Figuren und des Settings durchsetzt und damit als Modifikation des Wrightschen Modells unbrauchbar. Gleiches gilt für Fraylings Unterteilung des 'Italian Plots' in die oben angegebenen Subplots, denn auch die Unterscheidungen, die er zwischen seinen diesen trifft, finden in der Oberflächenstruktur statt.

 

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