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2.2.2 Das Problem der Integration des Italo-Western in das Wrightsche Schema

 

Wright ordnet Halunken in seine Kategorie des 'Profi'-Westerns ein (vergl. auch Jameson 552). Dies ist zwar insofern verständlich, als die moralische Implikation, die allgemein mit Begriffen wie 'Held' und 'Bösewicht' verbunden wird, in diesem Film ebenso problematisch ist wie in den 'Profi'-Western, nicht zuletzt aufgrund des Umstandes, daß für die Hauptfiguren Geld die Hauptmotivation darstellt. Frayling zeigt jedoch, daß die Liste der Gemeinsamkeiten damit auch aufhört:

 

One of the heros (Tuco) is not a professional; there are no villains outside the central 'group' (unless one includes all those who cross the 'group's' path - all far from 'strong'); the job (which is not in fact a 'job' in Wright's terms, but a treasure hunt) only involves the heroes in a fight when they stumble into the American Civil War by accident; the central characters do not form a group for the 'job' (they are at each other's throats throughout the film); they have no loyalty to each other, they do not fight the villains (unless one includes as a villain the one member of the 'group' who is really a professional) and they do not stay together at the end.  (51)

 

Damit ist deutlich, daß, sollten Wrights Kategorien stimmen, die Italo-Western eine von den Profi-Western getrennte Gruppe darstellen. Die Annahme eines eigenständigen 'Italo'-Subgenres hätte jedoch für das Wrightsche nur positive Auswirkungen. Bisher ist es nicht so recht überzeugend, wie die Entwicklung vom klassischen Western zum "professional plot" vonstatten ging: Wright mußte das etwas klägliche "transition theme" erfinden (dieses 'Subgenre' umfaßt lediglich drei Filme), um die Ablösung des Helden von der Gesellschaft als bruchlose Tendenz darzustellen. Ersetzte man das "transition theme" mit dem 'Italo'-Plot, der unter 2.2.3 charakterisiert wird, so wäre die Entwicklung des Western, sowohl strukturell als auch zeitlich viel sauberer erklärt:[1] in der Wrightschen 'Rache-Variante' verläßt der Held die Gesellschaft, um dann nach Befriedigung seines Rachewunsches wieder zurückzukehren. Der Held des Italo-Western hat (zumindest andeutungsweise) ebenfalls eine traumatische Vergangenheit, bleibt jedoch bewußt in der Außenseiterposition, denn die Gesellschaft an sich ist 'böse'. In der Profi-Kategorie ist die Bewertung der Gesellschaft weniger hart, allerdings finden die Helden eine Heimat in ihrer Männergruppe, die den Wunsch nach Integration in die Gesellschaft gar nicht erst aufkommen läßt.

 



[1]     1966-67 wurden die meisten Italo-Western gedreht (siehe Frayling 256). Die Profi-Western wurden erst gedreht, als der Höhepunkt der Italo-Welle schon fast vorbei war, d.h. nach 1966. 

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