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2.1.1.4 'good'/'bad' im Italo-Western

 

        Im traditionellen Western tritt stets das Gute, personifiziert im Helden, gegen das im Bösewicht personifizierte Böse an. Williams (1961) führt dies auf den Einfluß des Calvinismus zurück, der jegliche Erfahrung auf den Widerstreit von Gut und Böse zurückführt. Daß in Italien, d.h. in einem vom Katholizismus geprägten Kontext, Filme gemacht werden, die eine deutlich andere Sicht auf das Verhältnis von Gut und Böse vertreten, ist nicht überraschend.

            Wright selbst stellt fest, daß eine tertiäre Konstellation automatisch zu Schwierigkeiten in der moralischen Bewertung führen muß (vergl. 2.1.1). In größtenteils binär strukturierten Italo-Western (z.B. Sabata) ist die Einteilung der Figuren in 'Gute' oder 'Böse' auch noch recht einfach. Sobald jedoch ein dritter Protagonist hinzukommt, stellt sich die Frage, ob die Begriffe überhaupt noch anzuwenden sind, wie in Halunken besonders deutlich wird. Wenn der Blonde noch am ehesten der 'Guter' ist, und Sentenza der 'Böse', stellt Tuco ein Problem dar, da er mal mit dem einen, mal mit dem anderen arbeitet. Sergio Leone selbst macht im ironischen Originaltitel auf die Problematik der 'gut'/'böse'-Kategorisierung aufmerksam: zum 'Guten' und 'Bösen' gesellt sich der 'Häßliche'. Da Wright diesen Film in seine Analyse explizit einbezieht, ist es umso verwunderlicher, daß er die dominante tertiäre Struktur und ihre Wirkung auf die gut/böse-Opposition übersieht, vor allem da er ja behauptet, tertiäre Strukturen seien in Mythen ihrer Ineffizienz wegen nicht gebräuchlich.

Der Effekt der Dreieckskonstellation auf die 'gut'/'böse' - Opposition wird durch die düstere Heldenfigur noch unterstützt, in der die dem Westernhelden ohnehin eigentümliche Ambivalenz (in erster Linie ein 'Guter', aber doch gewalttätig zu sein) noch potenziert ist,[1] bzw auf den Kopf gestellt wird: der Held des Italo-Western tötet aus Geldgier, aus sportlichen Motiven (siehe das Finale in Handvoll) oder weil er gerade ein Pferd braucht und der Reiter natürlich nicht freiwillig absteigen will (Keoma). An den Massentötungen, die üblicherweise stattfinden, ist er nicht notwendigerweise direkt beteiligt, hat aber zumindest alles losgetreten. Der Held des Italo-Western ist also in erster Linie gewalttätig, wobei an ihm irritiert, daß er irgendwie doch 'gut' ist.

            Trotz der Schwierigkeiten, die die 'gut'/'böse'-Opposition bei der Beschreibung der Italo-Western bereitet, bedeutet dies nicht, daß 'gut' und 'böse' als Kategorien ausgedient haben, wie Frayling behauptet, und z.B. durch 'sympathisch'/'unsympathisch' ersetzt werden sollten. Vielmehr liegt der Witz des Genres darin, den Versuch, 'gut' und 'böse' zu applizieren, ad absurdum zu führen.



[1]     Siehe hierzu Warshow (1975): "The Westerner at his best exhibits a moral ambiguity which darkens his image and saves him from absurdity; this ambiguity arises from the fact that, whatever his justifications, he is a killer of men" (142).

 

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