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1. Methodische Vorüberlegungen

 

1.1 Beschreibungsebenen

 

Als Orientierungsmuster soll für diese Arbeit das von Bal (1985) entwickelte Schichtenmodell dienen, welches für die Analyse von Erzählungen folgende Beschreibungsebenen unterscheidet: Fabula - Story - Text.

Unter 'Fabula' versteht Bal die abstrakteste bedeutungstragende Ebene eines gegebenen narrativen Textes, auf der die Figurenkonstellation und die Plotstruktur anzusiedeln sind. In der Beschreibung der Fabula wird die Erzählung also reduziert auf ihre Akteure und die durch ihre Handlungen entstehenden Ereignisse. Auch wenn Bal sich selbst nicht über konzeptuelle Strukturen, d.h. über die transportieren Werte äußert, können diese doch ebenfalls als zur Fabula zugehörig angenommen werden. Während auf der Fabula-Ebene nur das Skelett der Erzählung interessiert, wird auf der 'Story'-Ebene die Figurenkonzeption, das Setting etc. untersucht, d.h. die Muskulatur.[1] Die Untersuchung der erzählerischen Vermittlung findet schließlich auf der 'Text'-Ebene statt.

Diese drei Beschreibungsebenen sollen hier deutlich voneinander unterschieden werden, da dies hilfreich ist, um terminologische Mehrdeutigkeiten zu vermeiden, mit denen z.B. der Begriff 'Held' belastet ist. In der Literatur ist dieser manchmal gleichzusetzen mit 'Protagonist', manchmal schwingen all jene Konnotationen mit, die mit der Phrase 'ein wahrer Held' assoziiert werden. Im ersten Fall wäre 'Held' der Oberbegriff für 'Bösewicht', im zweiten stünden die Begriffe 'Held' und 'Bösewicht' auf gleicher Stufe in Opposition.

            Wenn hier also in der Analyse der Fabula von 'Held' die Rede ist, ist damit lediglich eine Position innerhalb der Konstellation der Akteure gemeint. Auf der Story-Ebene ist mit 'Held' jedoch der Figurentypus bezeichnet, der sich üblicherweise in dieser Position befindet. Jedoch ist, wie noch zu zeigen ist, der Umkehrschluß nicht immer möglich: in der Fabula mancher Filme ist zwar eine mit 'Held' zu bezeichnende Position auszumachen, aber die Zuordnung von einer bestimmten Figur zu dieser Position ist problematisch (vergl. 2.2.3.3).



[1]     Die Skelett/Muskulatur-Metapher wird in ähnlichem Zusammenhang auch bei Eco (1966: 95) und Toolan (1988: 13) gebraucht.

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